Wanderlustwurzeln

Afrika - Meine Wanderlustwurzeln


2011 – Social Project
„Muli bwanji“  
Das erste Fremdwort das mir auf dem Flughafen in Livingstone begegnete.

Nach ca. 15 Stunden Reisezeit von Frankfurt a. Main und das erste Mal allein und so weit weg von Deutschland, fühlte ich mich wie im siebten Himmel. Freude durchströmte meinen Körper und meine Hände zitterten vor Aufregung! 3 Monate Afrika sollten es sein.

 

 

Auf dem Weg zum Hostel kam ich aus dem Grinsen nicht mehr raus. Die Luft roch so anders wie in Deutschland, eher süßlich manchmal auch rauchig. Auf den Straßen wurde Essen gekocht. Frisches Gemüse lag zum Verkauf bereit. Schaute man in die Gesichter der Menschen bekam man ein Lächeln geschenkt. Toll, besser konnte es gar nicht beginnen.

 

Mein erstes Projekt in dem ich als Volontärin arbeitete war eine Schule und Freizeitprogramm mit Kindern und Waisen. Zugegeben ich konnte mit Kindern noch nie viel anfangen, sie gingen mir mehr auf die Nerven als dass ich sie „süß“ fände. Schon nach dem ersten Tag in der Schule war diese Einstellung verflogen.


„Muzungu !! Muzungu !!“ Schrie es aus allen Himmelsrichtungen als wir mit dem Bus die Schule erreichten. Muzungus sind für die Einheimischen die „Weißen“. Die Kinder rannten auf uns zu, schrien, tanzten und sangen. Ich spürte tausende Hände auf meinem Körper und wurde sofort zum Spielen weg gezogen.

 

Die ersten 2 Wochen vergingen im Flug und das Programm mit den Kindern wurde niemals langweilig. Am Nachmittag gab es ein Freizeitprogramm mit den Kids. Fußball, Fangen spielen, Malen und Theater standen auf dem Programm.

 

Doch ich wollte noch in andere Projekte reinschnuppern und wechselte. Ab sofort durfte ich mit in die Kliniken fahren, kranke Menschen außerhalb der Stadt und in Altersheimen behandeln. Mir wurde erst hier so richtig bewusst wie schlimm die medizinische Versorgung in Afrika war. Es machte mich traurig so viel Armut und Leid zu sehen. Wir besuchten einen Mann mit HIV im Endstadium. Er lebte in einem Dorf.

Er war sehr groß und durch die Krankheit sehr dürr. An dem Tag unseres Besuches ging es ihm sehr schlecht und brauchte dringend Medikamente. Wir legten alles Geld zusammen was wir hatten und riefen ihm ein Taxi. Wir alle wussten der Mann wird in den nächsten Tagen sterben doch die Freude und Dank in seinen Augen machte mich in den Moment glücklich.

 

Generell war bei all meinen Aufgaben mit den Menschen ein Gefühl von Freude und Glückseligkeit in mir. Anderen Menschen mit sehr wenig eine Freude zu bereiten und zu helfen ist nun mal bedeutender als sich selbst die Taschen vollzustopfen.

 

Fazit: Die Arbeit in den sozialen Projekten hat mich um 180° gedreht. Mein Denken und Handeln zu materiellen Werten hat sich verändert und ich überlege mir heutzutage 2 Mal ob ich das was ich kaufen möchte auch wirklich brauche oder ob ich ein "All you can eat" Lokal besuche wo die Hälfte im Müll landet oder doch meine paar wenigen Zutaten selbst kaufe und verarbeite. 

 

Nach 2011 war ich weitere 3 Male in Afrika und habe im Bereich Tierschutz gearbeitet.

 

JW

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