Zu Hause bei den Locals

Von unserem Leben mit Südafrikanern


 

6 Monate haben wir in der Provinz Mpumalange in Südafrika gelebt und gearbeitet. Anders als normaler Touri, haben wir täglich mit Südafrikanern zu tun gehabt und das Leben nach „African Style“ gelebt :)

 

In der Zeit haben wir viel über die Kultur und das heutige Leben der schwarzen Südafrikaner gelernt und möchten euch die wichtigsten Unterschiede zu unserer europäischen Kultur einmal näherbringen.

 

 

 

Als ich das erste Mal 2011 nach Südafrika kam hatte ich einen regelrechten Kulturschock. Kleine Häuschen mit Blechdach; frei laufende Kühe und Ziegen kreuz und quer; Kinder spielen mit selbstgebastelten Plastikspielzeug oder Müll; 5-köpfige Familien teilen sich 1-2 Zimmer Hütten; Plumpsklos; kein fließend Wasser usw.

 

Als „Touri“ denkt man im ersten Moment: „Oh mein Gott, haben wir es doch gut in Europa!“ Das ist auch gut, dass wir so denken und ich bin sehr dankbar in Deutschland aufgewachsen zu sein. ABER, es ist alles halb so „schlimm“ wie es einem zuerst vorkommt, oder durch Medien vorgemacht wird. Wenn man sich genauer mit dem Leben der Locals (der schwarzen Locals) beschäftigt, werden einem viele Dinge viel klarer.

 

Wohnen

 

Fangen wir zuerst einmal mit den Dörfern an, die oft zu unrecht als „Townships“ bezeichnet werden. Townships fanden wir in oder um Johannesburg. Blechhütte an Blechhütte wo meist nicht mal Südafrikaner leben, sondern Menschen aus Mosambik oder Swasiland, die nur zum arbeiten rüber kommen und in den Tagen dort leben, bevor sie für ihre freien Tage wieder zurück in ihr Land gehen. Diese „Townships“ sind furchtbar, keine Frage! Doch sind sie uns außer in Johannesburg nicht begegnet.

 

 

Township Johannesburg

 

 

 

Auch Südafrika entwickelt sich und so leben die meisten Menschen in einfachen aber solide gebauten Steinhäusern.

 

Mehr benötigt man hier auch nicht :) Es werden einfache Zementsteine für den Bau der Häuser verwendet und ja, sie haben sogar Fenster, Türen und meist noch 1-2 weitere Zimmer. Da es hier auch keinen richtigen Winter mit Minustemperaturen gibt, braucht man sich um Dämmmaterial keine Gedanken zu machen.

 

Oftmals sieht man über Monate halb fertiggestellte Häuser rumstehen ehe sie weiter bauen. Das hat den einfachen Grund, dass die Leute für weitere Steine sparen. So wie es in Griechenland auch gemacht wird.

 

Bevor man jedoch seine eigenen 4 Wände bauen möchte, muss man beim Chief eine Art Baugenehmigung beantragen. (Der Chief ist vergleichbar mit einem Bürgermeister bei uns)

 

 

50 x 50 m² kosten einmalig 1500 Rand (95 €). Jährlich kommen dann 70 Rand (5 €) Grunderwerbssteuer dazu. Das ist alles! Man hat sein eigenes Grundstück und kann sofort loslegen. Aber auch hier geht der Bau nach Bauplan voran. Die meisten fangen mit einem Zaun an und sammeln schon die Steine auf dem Grundstück. Dann folgt der Grundriss und zum Schluss das Dach, welches das Teuerste am ganzen Haus ist.

 

Wer sich den Bau eines eigenen Hauses nicht leisten kann, bekommt Unterstützung vom Staat. Voraussetzung dafür ist die südafrikanische Staatsbürgerschaft und der Beweis hilfsbedürftig zu sein (kein Einkommen, Obdachlos etc.). Man bekommt ein RDP oder auch „Mandela-Haus“ genannt, welches immer gleich mit 4 Zimmern aufgebaut ist, auf ein vom Staat gewählten Grundstück gebaut. Das erste Jahr Strom ist umsonst, danach muss sich der RDP-Hausbesitzer, wie alle anderen Hausbesitzer, selbst darum kümmern, dass er seinen Strom schon im Voraus bezahlt hat (ähnlich wie eine Handy Prepaid Karte). So schützt sich der Stromanbieter vor nicht gezahlten Rechnungen und der Hausbesitzer weiß anhand des Stromzählers, wann er den Strom „aufladen“ lassen muss, um nicht im Dunkeln zu sitzen. Je nach Verbrauch zahlt man im Durchschnitt 100 Rand (6 €) pro Monat für Strom. Natürlich versuchen einige die Stromrechnungen zu umgehen, indem sie ihr Haus einfach beim Nahbarn oder die Oberleitung anklipsen. Über Monate nicht gekaufter Strom fällt aber auf und führt zu hohen Geldstrafen.

 

Der Hausbesitzer wird also beim Hausbau staatlich unterstützt und kann sich auf die Jobsuche konzentrieren. Nach dem neuen Gesetz dürfen jedoch erst Menschen ab 40 Jahren solch ein Haus beantragen. Jüngere Personen haben nach Sicht der Regierung bessere Chancen auf einen Job und benötigen diese Unterstützung in den jungen Jahren noch nicht.

 

Staatsangestellte haben übrigens keinen Anspruch auf ein RDP Haus.

RDP bzw. "Mandela Haus"                                                                         RDP Haus mit Anbau

Wasser

2 Mal in der Woche kommt ein Wasserlieferant von der Regierung, der die Bewohner der Dörfer kostenfrei mit Wasser versorgt. Es gibt gemeinschaftliche Wassertanks an denen sich so viel bedient werden darf wie nötig. Da es in den meisten Häusern kein fließend Wasser gibt, werden an den zwei Tagen der Woche alle Eimer, Kanister oder Schubkarren mit Wasser gefüllt und nach Hause gefahren.

 

 

Wer es sich leisten kann, hat seinen eigenen, fest installierten Wassertank auf dem Grundstück (Anschaffungskosten 500L Tank 2000Rand / 130€). Für ca. 300 Rand / 500L kann man seinen Tank vom Wasserlieferanten auffüllen lassen. Fließend Wasser im Haus selbst ist jedoch eher die Seltenheit.

 

 

Privater Wassertanks auf den Plumpsklos

 

 

Auch die Toilette befindet sich draußen in Form eines Plumpsklos. Ich war selbst auf diesen Toiletten und überrascht, wie sauber und geruchlos solch eine Toilette sein kann. Geruchskiller Nummer eins ist Asche. Sie wird einfach ins Loch gekippt und hilft beim biologischen zersetzen des Inhalts.

Schule

Auch in Südafrika herrscht bis zur 12 Klasse Schulpflicht. Wenn beide Elternteile arbeiten, können Kinder ab 6 Monate in die Betreuung. Diese Art der Betreuung zählt schon zur Vorschule und man trifft hier Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren. Je nach Alter des Kindes variiert der monatliche Betrag. Durchschnittlich sind es ca. 550 Rand (35 €).

 

Die Grund-/ und Oberschule kostet jährlich 200 Rand. Sollten die Elternteile arbeitslos sein und die Schulkosten nicht zahlen können, hat das Kind dennoch ein Recht auf Bildung und darf weiterhin die Schule besuchen. Einige Schulen bieten den arbeitslosen Eltern an, in der Schule mitzuhelfen und so das Schulgeld abzubezahlen. Sie helfen dann in der Küche, beim Putzen oder bei Hausmeisterarbeiten.

Jeder Schüler trägt eine Schuluniform, für die selbst aufgekommen werden muss. Allerdings sind die Kosten für eine Hose (12 €) und ein Shirt (10 €) recht erschwinglich. Aber auch hier gilt, sollten die Eltern das Geld dafür nicht zahlen können, erhalten sie Unterstützung und zwar von anderen Dorfbewohnern, die den Kindern dann Uniformen kaufen bzw. Geld dazu steuern.

 

Die Regierung stellt den Schülern Lernmaterial wie Bücher, Schreibhefte, Stifte etc. Das Einzige was sie sich selbst kaufen müssen sind leere Blätter zum arbeiten.

 


Jobs

Die meisten Menschen in den Dörfern betreiben Einzelhandel. Es gibt viele kleine Shops, Gemüse-/ und Obstläden, Barber oder Zementsteinverkäufer für den Hausbau. Einige größere Dörfer haben Einkaufsläden wo sie Arbeit finden. Auch Landwirtschaft oder Bauarbeiten gehören zu den meist verbreitenden Jobs. Nicht zu vergessen die Tourismusbranche als Safari Guide oder als Servicekraft in Lodges.

 

Der Mindestlohn liegt bei 3500 Rand pro Monat (220 €).

Krankenversicherung

Anders wie bei uns in Deutschland sind Angestellte nicht automatisch über den Arbeitgeber krankenversichert. Die Menschen haben also entweder gar keine oder eine teure private Versicherung.

 

In der Regel können sich die Menschen aus den Dörfern keine Krankenversicherung leisten. Wenn sie krank sind gehen sie in die örtliche Klinik und kleinere Beschwerden werden kostenfrei behandelt. Die Klinik kann eine Überweisung an das Krankenhaus schreiben. OP-Kosten und Behandlungen im Krankenhaus müssen jedoch selbst getragen werden. Wir haben solch ein Krankenhaus besucht und jeder deutsche Patient würde vermutlich selbst tot sterbenskrank keinen Fuß hinein setzen. Von Hygiene nicht zu sprechen kommt es auch häufig vor, dass die Krankenhäuser so überfüllt sind, dass Patienten mit Schläuchen aus dem Körper draußen auf dem Parkplatzboden liegend zwischengeparkt werden (alles selbst gesehen).

 

Wer sich eine private Krankenversicherung leisten kann, kommt in einem besseren Krankenhaus mit europäischen Standards unter (haben wir auch besucht).

 

Es gibt natürlich verschiedene Kranversicherungen die gewisse Kosten abdecken, wie z.B. folgende:

Ab 2,50 Rand pro Tag hat man einen Versicherungsschutz von 60.000 Rand.

Für 70 Rand im Monat ist der Versicherte bis 20.000 Rand abgesichert.

Ehe

Die traditionelle Ehe bei schwarzen Südafrikanern könnte unterschiedlicher zu der heutigen Ehe der Deutschen nicht sein.

 

Möchte ein Mann eine Frau heiraten, muss er an die Eltern der Braut eine Art Mitgift (Lobola) zahlen, und zwar in Form von Kühen. Der Wert einer Kuh wird dann festgelegt. Eine Kuh entspricht beispielsweise 2000 - 6000 Rand. Je gebildeter die Frau, desto höher der Preis. Es ist nicht selten, dass für die Frau bis zu 15 Kühe oder mehr gezahlt werden.

 

Das Geld ist für die Eltern der Braut, da sie die Tochter aufgezogen, ernährt und gebildet haben und somit viel Geld investiert haben. Es ist quasi eine Erstattung für die Eltern. Oft sparen Männer jahrelang um die „Lobola“ zahlen zu können.

Trennung

 

 

Sollte sich das Ehepaar trennen und kleine Kinder haben, hat immer nur der Mann Anrecht auf die Kinder. Sind die Kinder schon größer und können selbst entscheiden wo sie leben wollen, ist diese Trennung strikt geregelt. Entscheidet sich das Kind z.B. bei der Mama zu leben, wird sie auch nur Kontakt mit der Familie der Mama (Oma, Tanten und Cousin/Cousinen mütterlicherseits) haben. Sie wählt also nur für eine Seite der Familie und bekommt auch nur von der einen Seite finanzielle und persönliche Unterstützung.

Kindergeld und Rente

 

Wie auch bei uns erhalten Eltern monatlich Kindergeld von 300Rand (19 €) pro Kind pro Monat. Arbeiten die Eltern beim Staat erhalten sie jedoch kein Kindergeld, da sie von vorne herein schon andere staatliche Vorteile erhalten wie eine gestellte Unterkunft, Krankenversicherung etc.

 

Auch in Südafrika geht man irgendwann in seine wohlverdiente Rente :). Nach 60 Jahren um genau zu sein. Die monatliche Pension liegt je nach gearbeiteten Jahren und Branche bei ca. 1100 Rand (70 €).

 

Ende

Den Blog könnte ich noch ewig weiter füllen. Ich hoffe aber, dass ich die wichtigsten Infos bzw. Unterschiede zu Deutschland auf einen Blick verdeutlichen konnte. Meine Quellen sind meine eigenen Augen und Ohren, unsere tollen Kollegen mit denen wir jede Woche auf „Village Tour“ gegangen sind und viel von ihnen gelernt haben. Auch nicht zu vergessen unser Kollege TK der sich für ein richtiges Interview mit mir Zeit genommen hat, alles bis aufs kleinste Detail richtig zu beantworten :).

 

Wer diesen Blog in irgendeiner Weise mit rassistischen Hintergründen verbindet, hat das Thema dieses Berichts nicht ganz verstanden und sollte nochmal von vorne lesen :)

 

Ansonsten bleibt mir nichts anderes zu sagen als: Packt eure Koffer und macht euch euer eigenes Bild von dem schönen Land :)

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Kommentare: 2
  • #1

    Helga Lode (Sonntag, 24 Dezember 2017 14:09)

    Frohe Weihnachten Euch beiden in die Ferne!
    Danke für den beeindruckenden Bericht, den ich mir mehrfach durchlesen werde.
    Weiterhin alles Gute und bleibt gesund!
    Grüße aus Idstein,
    Helga Lode

  • #2

    Georg Apfelbacher (Mittwoch, 27 Dezember 2017 11:42)

    Hallo Ihr beiden,

    schön von Euch zu hören, danke für diesen interessanten Bericht.
    Für Weihnachtsgrüsse ist es nun zu spät, aber für alles gute zum Neuen Jahr noch nicht.
    Ich wünsche Euch ein interessantes, im positiven Sinne aufregendes und vor allen Dingen ein gesundes Neues Jahr.

    Georg